Präsenzfortbildung (ggfs. online)
Scham und sexualisierte Gewalt

Gewalterfahrungen gehen oftmals mit intensiven Gefühlen von persönlicher Minderwertigkeit, von Scham oder auch Schuld einher. Solche Gefühle tauchen nicht nur in enger zeitlicher Nähe mit der Gewalterfahrung auf, sondern finden sich, teilweise auch erstmalig, noch Jahre später und können zu andauernden Verhaltens- und Erlebensproblemen führen. Hinter immer wieder auftretenden depressiven Episoden, Alkoholabhängigkeit, Essstörungen, unkontrollierbaren Wutanfällen u. a. können sich Schamdynamiken verbergen, die es in der Beratung zu verstehen gilt.

Scham ist eine komplexe Emotion, die mit der Bewertung von Fehlverhalten oder erlebter Bloßstellung durch andere Personen und Prozessen der Selbstabwertung einhergeht. Auch wenn die Anlage zu dieser Emotion Menschen grundlegend mitgegeben ist, tragen doch vielfältige Sozialisationsprozesse zur Ausgestaltung einer individuellen „Schamhaftigkeit“ bei.

In der Fortbildung soll zunächst der Mechanismus der Scham herausgearbeitet werden. Dazu kann man verschiedenste Anfragen stellen: Welche Situationen lösen Scham aus? Gibt es ein typisches Erleben im Zusammenhang mit Scham? Verändert sich Schamhaftigkeit im Lebenslauf; ist sie typisch für bestimmte Lebensphasen? Warum schämen sich „Opfer“ von Gewalt, wofür schämen sie sich? Wodurch werden Schamdynamiken oftmals verdeckt? Ist Scham nur eine schmerzliche, vollständig unerwünschte Reaktion oder hat sie auch positive Funktionen für Menschen? Und: Wie sieht es mit der Scham der „Täter“ aus?

Auf der Basis solcher Überlegungen können Teilnehmer*innen persönliche Erfahrungen aus der beruflichen Praxis analysieren und sich abschließend dem Umgang mit den Schamerfahrungen von Klient*innen in der Beratung zuwenden.

 

Referentin:
Prof. Dr. phil. Bettina Schuhrke
Professorin an der Evangelischen Hochschule Darmstadt – University of Applied Sciences
Arbeitsbereiche: Entwicklung der Sexualität/Geschlechtlichkeit; Emotionsentwicklung, insbesondere Scham; Familiale Beziehungen, Intimität und Privatheit; Entwicklungs- und Verhaltensstörungen im Kindes- und Jugendalter

Veranstaltungstermin und -ort:
Donnerstag, 20. Oktober 2022, 10.00-17.00 Uhr, Beginenhof, Essen

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